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Australien

Ich bin infiziert! Mit welchem Virus? Nun, er heißt wohl „Down Under“.

Es hat mich gefesselt, gepackt und lässt mich nicht mehr los! Ich habe die unendliche Freiheit gespürt. Die Weite. Nicht nur Landschaftlich, nein, auch in meinem Kopf! Ach was – in jeder einzelnen Zelle meines Körpers.

Das Gefühl will ich wieder haben! Möglichst bald!

In meinem 18. oder 19. Lebensjahr habe ich einmal die halbe Nacht Dias mit einem Freund geschaut. Dias von Australien. Groß! Auf einer Leinwand! Und er hat von seinen Erlebnissen und Eindrücken erzählt. Einmal, da haben er und seine Freunde sich Eisblöcke gekauft und sind damit in Sydney, in der Hitze, auf einem kleinen Hang im Park den Berg herunter „Schlitten gefahren“. Das strahlen in seinen Augen dabei, das werde ich nie vergessen.

Damals, da war es noch etwas Besonderes in jungen Jahren ein Jahr „Auszeit“ zu nehmen, um die Welt zu erkunden. Wie habe ich ihn beneidet.

Heute weiß ich, er hatte einfach mehr Mut als ich und den nötigen Biss, sich das Geld dafür zusammen zu sparen.

Jedenfalls war seit diesem Abend Australien auf meiner „Bucket-List“.

Erst in diesem Jahr wurde mein Traum Wirklichkeit. Im Jahr in dem wir alle ein kleines bisschen Freiheit eingebüßt haben, durfte ich in kurzer Zeit die krassen Gegensätze von vollkommener Freiheit und „eingesperrt in den eigenen vier Wänden“ erleben.

Freiheit, unendliche Weite, Frei im Kopf, sich selbst nicht mehr so wichtig nehmen. Für wen bin ich relevant? Für fast niemanden. Also- Scheiß drauf. Gelassenheit. Genießen…

Blue Mountains

Was für Farben. So viele unterschiedliche Arten von Grün, so viel Natur, das unfassbar klare Wasser, rießige Schwärme von Kakadus am Hang gegenüber. Ich hatte mal als Kind Wellensittiche und mich überkam ein so schlechtes Gewissen, als ich diese Vögel hier in der Freiheit sah. Aber auch der Gegensatz. Die von den Waldbränden in Schutt und Asche versetzen Waldabschnitte. Hier und da eroberte sich die Natur das alles schon wieder zurück. Grüne Triebe aus völlig verkohlten Bäumen. Wie ein Wunder.

Cape Hillsborough

Ich stand früh morgens um halb 5 im dunkeln am Strand um auf die Kängurus zu warten, die jeden Morgen zum Sonnenaufgang an genau diesen Strand kamen… Was ein Erlebnis, als sich ihre Schatten auf einmal in der Dunkelheit abzeichneten. Wahrscheinlich waren sie schon länger da, nur konnten wir sie nicht vorher sehen. Wie wunderbar, die Sonne über den Horizont wandern zu sehen und diese Tiere in so unmittelbarer Nähe bei sich zu spüren und zu beobachten. Als ich wieder auf die Uhr schaute war es 8 Uhr! Niemals hätte ich gedacht, dass schon über drei Stunden vergangen sind.

Urangan

Schwärme von riesigen schwarzen Vögeln, die vom Wald in der Dämmerung Richtung Meer fliegen. Vögel??? Nein, beim genauen hinschauen stellten sie sich als Flughunde heraus, die sich dann zur Nacht rings um unseren Lageplatz in die Bäume hingen.

Airlie Beach

Den heißen Sommerabend vor dem Camper ausklingen lassen umgeben von absolutem Lärm schreiender Vögel. Bei näherer Betrachtung Schwärme von Kakadus, die über unseren Platz flogen und sich hinter unserem Camper in den drei großen Bäumen niederließen. Hunderte von weißen Kakadus! Der Schwarm hörte nicht auf. Es wurden immer mehr. Zum Schluss konnte man keinen Baum mehr erkennen. Alles war weiß! Mit dem Sonnenuntergang verstummten die Schreie. Die Kakadus schliefen. Ab und an ein Unruhestifter, der aber schnell den Schnabel hielt. Erst im Morgengrauen wurde es wieder laut und dann verabschiedeten sich die Kakadus und flogen zurück in den kühlen Wald.

Capricorn Caves

Auch wenn die Höhle sehr beeindruckend war. Noch beeindruckender waren die vielen Heuschrecken und Stabheuschrecken, die hier auf dem Platz an den Fenstern und Lichtern der Duschen und Toiletten-Häusschen saßen und nur darauf warteten einen anzuspringen. Plötzlich erscheinen einem Spinnen und Eidechesen als ganz nette Tierchen.

Schmetterlinge! Hier ist immer und überall alles voller Schmetterlinge. Und was für welche. Große, kleine, bunte, unscheinbare… ach wie ich das vermisse. Bei uns zu Hause taucht zwar ab und an einer auf, aber das ist nichts im Vergleich zu hier.

Great Barrier Reef

Auf unserem Weg in die Whitsundays und zum Great Barrier Reef (Corona war nun auch in Australien angekommen und die Lage spitzte sich auf der ganzen Welt zu) hatte ich folgenden Gedanken: Wenn ich beim Tauchen eine Schildkröte sehe (das war schon immer mein größter Wunsch und ich glaube genau aus diesem Wunsch heraus habe ich vor Jahren auch meinen Tauchschein gemacht), dann wird alles gut. Wir kommen gut nach Hause und meine Mädels kommen mit uns auf den Flieger. Ich fieberte also dem Tauchgang ein bisschen entgegen. Aber- leider nichts! Entschädigt wurde ich durch die unglaubliche Pracht der Korallen und der vielen bunten, sehr großen aber auch sehr kleinen Fische. Beim schweben durch das Wasser tritt alles in den Hintergrund. Wirklich absolut alles!

Wieder aufgetaucht war ich nicht enttäuscht. Wir verbrachten den ganzen Tag draußen auf dem Ponton am Riff. Ich ging also auch noch schnorcheln. Auf einmal rief eine Frau: „Turtle, Turtle“. Ich schmiss mich ins Wasser, gab Gas und schnorchelte in diese Richtung. Und tatsächlich, da war sie. Saß da und graste am Riff. Die Frau verlor schnell das Interesse und ich war mit der Schildkröte alleine. Uns trennte circa 1 Meter. Langsam glitt sie voran durch das Wasser und ich mit ihr. Sie hatte keine Angst und tauchte immer weiter zu mir hoch bis sie direkt neben mir schwamm. Wir schauten uns direkt in die Augen. Was für eine Ruhe und welch Frieden diese Schildkröte ausstrahlte. Unfassbar. Als wollte Sie mir sagen: Siehst Du, da bin ich und alles wird gut. Es wird auch gut wenn es nicht so klappt wie du es Dir denkst. Alles hat einen Grund und alles schafft Erlebnisse die wiederum für etwas gut sind.

Noch nie habe ich mich so friedvoll und wunderbar und geborgen gefühlt wie in diesem Moment.

Zurück durchs Outback

Zurück ging es quer durchs Outback. Kilometerlange rote Sandstrassen. Roadtrains und Tankstellen mitten im Nirgendwo. Immer wieder aber treffen wir auf unfassbar liebe Menschen die trotz Covid-19 nicht in Panik ausbrachen, mit 4 Deutschen konfrontiert zu sein, die dringend über 2000 Kilometer durch zwei Bundesstaaten, innerhalb 2 Tagen fahren müssen um hoffentlich ihren Flieger nach Hause zu bekommen. Nicht zu vergessen: die Australischen Polizisten. Danke! Das hat uns unseren Weg leichter gemacht.

Wieder zuhause

Wieder zuhause muss ich jedesmal heulen wenn ich auch nur an Australien denke. Es ist eine Mischung aus Wehmut, Glück einmal dort gewesen zu sein, Traurigkeit, weil sich dieses Freiheitsgefühl hier wohl nie so ganz einstellen wird und Sehnsucht. Sehnsucht nach einem Land, dass so unfassbar schön ist. Ein Land in dem ich zum ersten Mal im Leben so richtig durchgeatmet habe. Ein Land der Überraschungen und der unfassbaren Gegensätze.

Die nächste Tour…

Unsere nächste Tour ist schon geplant. Und ganz klar wieder in einem schrottigen Campervan von Camperman mit 650.000 km auf dem Tacho.

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